jose_maria_jimenez

Jose Maria Jimenez, oder "el Chaba" (der Retter), wie ihn seine Fans nannten, war für mich einer der größten Radsportler der 90er und der Jahrtausendwende. Das mag den einen oder anderen verwundern, aber ich zähle nicht nur Siege und Platzierungen. Für mich zählt auch Charisma und Fahrstil, sprich, wieviel "grinta", Kampfgeist oder Angriffswillen hat ein Fahrer? Und da stand Jimenez auf einer Stufe mit Pantani. Neben Pantani war er sicherlich auch der beste Bergfahrer seit Pedro Delgado und Lucho Herrera.

Hinzu kam diese unglaubliche Ausstrahlung. Ich bewundere viele Profis, aber die richtige Begeisterung kommt nur bei wenigen auf. Fahrer wie "el Chaba" fesseln einen, faszinieren einen...elektrisieren...wenn ein Jimenez attackiert oder auf dem Weg zum Ziel ist, sitzt man auf der Sesselkante und fiebert mit jeder Pedalumdrehung mit. Der Puls geht dann beinahe so hoch wie der des Fahrers. Das gleiche Phänomen stellt sich für mich nur bei Jan Ullrich und Richard Virenque ein. Früher waren auch noch Johan Museeuw, Fernando Escartin, Miguel Indurain, Laurent Jalabert und Toni Rominger für diese Momente zuständig.

So hoch die Emotionen bei Siegen solcher Fahrer schlugen, so sehr fühlte man bei Niederlagen mit. Einen Jimenez verlieren zu sehen, war einfach grausam. So zum Beispiel am Alto de Aitana bei der Vuelta 2001, bei der er zuvor so großartig aufgetrumpft hatte. Oder bei der Tour de France in Courchevel, wo er Pantani auf den letzten Metern nicht mehr folgen konnte. Die schlimmste Niederlage erlitt "el Chaba" am 7. Dezember 2003. Er starb in einer psychiatrischen Klinik an Herzversagen. Jimenez wurde nur 32 Jahre alt. Auf dieser Seite möchte ich an diesen außergewöhnlichen jungen Mann erinnern, der mir und so vielen anderen sehr viel Freude bereitet hat...einen der besten Kletterer aller Zeiten und eine ganz große Persönlichkeit im Radsport.

"May he find the peace on the other side that he could never find here."

Palmares von Jose Maria Jimenez:

3.: Vuelta a Espana 98 (5.: 99, 12.: 96, 17.: 2001, 21.: 97, 9 Etappensiege, Angliru 99, BZF Arcalis 2001, 4x Bergtrikot, Punktwertung 2001) Katalonienrundfahrt 2000, 2 Etappensiege (3.: 99, Etappensieg 95) Alpenklassiker 2000 (3.: 97) 8. : Tour de France 97 (23. : 2000, 2.: Courchevel, 3.: Hautacam) 4.: Castilla y Leon 2001 (7.: 96) Vuelta a Rioja 94, 97, jeweils Etappensieg (2.: 96, 3.: 2001, 10.: 93) 5., Etappensieg Dauphine Libere 98 7.: Burgosrundfahrt 98, Bergtrikot (6.: 95, 8.: 99) 2.: Aragonrundfahrt 99 33.: Giro d’Italia 99 (2.: Gran Sasso) Subida Urkiola 94, 96 (3.: 99) 2., Etappensieg Asturienrundfahrt 98 (5.: 97) 9.: Route du Sud 98 Bergtrikot Classsica Alcobendas 98 Spanischer Meister 97 9.: Katalanische Woche 96 2., Etappensieg Vuelta a Cuenca 94 Memorial Manuel Galera 94

Bilder:

Der erste Etappensieg bei der Vuelta im Jahr 1997. Nach etlichen Ausreißversuchen an Bergen wie Lagos de Covadonga (er wurde am Ende Dritter)und Sierra Nevada (am Ende Vierter) klappt es auf einer mittelschweren Bergetappe in Los Angeles de San Rafael endlich mit dem ersten Sieg. Nach langer Flucht mit dem damals aktuellen Olympiasieger Pascal Richard gewinnt Jimenez den Sprint aus einer mittlerweile 4köpfigen Gruppe (Richard, Jimenez, Heras, Clavero) in San Rafael. An diesem Tag beginnt gewissermaßen die Rivalität der beiden Nachwuchs-Kletterer Roberto Heras und Jose Maria Jimenez. Fortan werden sich beide bei etlichen Gelegenheiten duellieren. Auch am folgenden Tag versucht es Jimenez erneut mit Richard am Navacerrada. Beide kommen bis kurz vor die Tore von Avila, dann werden sie von einer größeren Gruppe geschluckt. Den prestigeträchtigen Sprint in Avila gewinnt Laurent Jalabert. Jimenez kann sich am Ende der Rundfahrt über das erste Bergtrikot freuen. Jalabert gewinnt die Punktwertung.

Vielleicht der größte Triumph: Jimenez gewinnt 1999 die erste Etappe hinauf zum mythischen Angliru. Zusammen mit Heras macht er sich auf die Verfolgung von Tonkov. Als der Erzrivale an den steilsten Stücken nicht mehr folgen kann, zieht Jimenez in seinem unwiderstehlichen Stil davon. Er holt Tonkov, den ehemaligen Giro-Sieger, wenige Meter vor dem Zielstrich ein und gewinnt am wohl schwersten Berg des Profiradsports. Am Ende der Vuelta holt Jimenez zum dritten Mal das Bergtrikot und wird Fünfter. Er hat damit endgültig bewiesen, dass er am Berg besser ist als Heras. Allerdings kann Jimenez im Zeitfahren einfach nicht mithalten, weshalb Roberto die besseren Platzierungen bei großen Rundfahrten erreicht: Platz 5 bei Tour und Giro, zwei GEsamtsiege bei der Vuelta stehen Platz 8 bei der Tour, Rang 33 im Giro und Rang 3 und 5 bei der Vuelta gegenüber.

Am Col d'Aubisque iniziiert Jimenez zusammen mit Heras, Herve und Escartin eine Flucht- gruppe. Später schließen Botero und Virenque auf. Die Gruppe schafft es bis in den Schlussanstieg hinauf nach Hautacam zu kommen. Jimenez hält bei lausigem Wetter am längsten durch und kann sogar dem heranstürmenden Armstrong für einige Zeit folgen. Kurz vor dem Ziel muss er reißen lassen und wird Dritter der Etappe. Den Sieg trug Javier Otxoa davon, der wenige Monate später bei einem schweren Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt wird. Javiers Bruder Ricardo überlebt nicht.

Nach 4 Etappensiegen hat Jimenez seinem Kapitän Olano bei der Vuelta 1998 das Leader-Trikot abgejagt. Es sollte das einzige Mal sein, dass er ein Führungstrikot einer Großen Landesrundfahrt trägt. Beim anschließenden Einzelzeitfahren verliert Jimenez es wieder an Olano. Auch Escartin zieht an "el Chaba" vorbei, der sich über die erfolgreichste Rundfahrt seiner Karriere freuen konnte: 4 Etappensiege, Bergtrikot, 3. Gesamtrang und einen Tag im Amarillo-Trikot! Auf der Etappe über den Xorret de Cati überflügelt "el Chaba" den ausgerissenen Lance Armstrong, der an dem Tag zum ersten mal nach seiner Krebskrankheit wieder bei einer großen Landesrundfahrt in Erscheinung tritt. Am Ende landet Armstrong wenige Sekunden hinter Jimenez auf Platz 4. Eine Serie Vierter Plätze folgt: bei Straßen-WM, Zeitfahr-WM sowie im abschließenden Zeitfahren der Vuelta landet er immer auf dem undanbaren 4. Rang.

Jimenez in Lauerposition. Bei der Vuelta 1999 gab es diverse illustre Spitzengruppen. Die nominell stärkste war wohl diese: Zülle als Tempomacher für Jimenez, Ullrich, Igor Galdeano, Heras, Tonkov und Beltran. Der spätere Etappensieger Laiseka ist hier noch nicht zu sehen. Mit unwiderstehlichem Antritt verweist der am Ende Vandenbroucke und Jimenez auf die Plätze. Ungewöhnlich für einen Bergfahrer: Jimenez hat in dieser Grupe abgesehen von Ullrich die muskulösesten Oberschenkel! Obwohl Jimenez hinter dem großen Gegenspieler Heras gelandet ist, kann Jimenez stolz sein, bei dieser vielleicht bestbesetzten Vuelta nach 1996 (damals nahmen u.a. Zülle, Dufaux, Rominger, Leblanc und Chiapucci teil) auf dem 5. Platz gelandet zu sein und erneut unter Beweis gestellt zu haben, dass er der beste Kletterer Spaniens ist. dazu kam der grandiose Sieg am Angliru und der Gewinn des Bergtrikots.

Weitere Bilder:

Jimenez im Leader-Trikot der Katalonienrundfahrt. Dort gewann er 2000.

Im Trikot des besten Kletters bei der Vuelta 1998.

Einer seiner schönsten Siege: Nach dem Comeback 2001 gewinnt Jimenez am Alto Cruz de la Demanda sein erstes Renne nach 14 Monaten.

Vielleicht die Erfindung eines "verrückten" Fans..vielleicht hat es auch gar nichts mit "el Chaba" zu tun. Habe ich irgendwo im Netz aufgegabelt...

Bei seiner ersten Tour de France. Dort landete Jimenez auf Anhieb vor Indurain...aber nur dessen Bruder Prudencio ;-) Als Helfer des großen Miguel reichte es für den Tour-Neuling immerhin zu Rang 57.

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